Warum haben wir eigentlich Sex?

 

Teil 1: Warum haben wir eigentlich Sex?

 

Noch während ich diese Zeilen niederschreibe, höre ich die biologisch versierten Leser schon innerlich aufschreien: Na wegen der Fortpflanzung natürlich! Wie soll die Menschheit sonst fortbestehen?!

Ich gebe zu: ein gutes Argument. Aber pflanzen wir uns tatsächlich bei jedem sexuellen Akt fort? Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir -und das nicht gerade wenig- Energie, Geld und Zeit investieren, um eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern?

Und wenn ich richtig informiert bin, soll es sogar Menschen geben, die sexuelle Praktiken pflegen, die eine Fortpflanzung ganz und gar unmöglich machen. Ganz zu schweigen von der Selbstbefriedigung, die ja ohne Zweifel zu den meistpraktizierten autoerotischen Abenteuern zählt. 

 

Was also ist es, das uns Sehnsucht danach haben lässt, jemanden in uns aufzunehmen oder in einen anderen Körper einzudringen?

Jemanden tief und innig zu küssen, Speichel auszutauschen, jemandes Genitalien mit dem Mund zu berühren und zu liebkosen oder sich dort, an dieser empfindlichen Stelle, küssen und ablecken zu lassen?

Ist es, weil man die Stimulation des eigenen Körpers genießt, weil Stellen berührt werden, die im Alltag aus verschiedenen Gründen nicht (oft) beachtet werden? Oder ist es die Bestätigung, die man durch diese Interaktion direkt oder indirekt bekommt: der/die andere „lässt mich ran“, bzw. gibt sich mir hin, was wiederum dahingehend interpretiert werden könnte, dass mein Gegenüber mich toll findet. Wie der oder die Partner*in allerdings „toll“ definiert, beziehungsweise wovon es individuell und subjektiv abhängt als „toll“ empfunden zu werden, bleibt vorerst ungeklärt.

 

Wer den Text bis jetzt aufmerksam gelesen hat, wird merken, dass für die Menschen, die Sex haben, um sich Bestätigung zu holen, recht viel Spielraum für Interpretationen bleibt. Vor allem, wenn man seine*n Sexualpartner*in nicht (gut) kennt, weiß man nicht, was ihn oder sie gerade antreibt. Das was bleibt ist die eigene, individuelle Interpretation von Reaktionen.

Das soll jetzt kein Plädoyer gegen Sex nach dem Motto: „nimm mich Fremde*r!“ sein. Absolut nicht. Diese Art der Zusammenkunft hat gewiss ihre Reize. Für manche Menschen. Gerade wegen des vielen Freiraums für Interpretationen und Projektionen.   

 

Und was ist denn nun mit den sogenannten „Langzeitpaaren“? Gut, solange die keine Kinder in die Welt gesetzt haben, kommen die Fortpflanzungstheoretiker auch hier wieder zum Zug. Aber die Paare, die dieses Kapitel für sich bereits abgeschlossen haben, werden wohl kaum nur miteinander schlafen, weil das gebotene TV-Programm nicht den gewünschten Unterhaltungswert hat. Und was ist mit den Singles unter uns? Was treibt sie an, Sex mit sich selbst zu haben?

 

„Na, um Druck abzubauen!“ höre ich die Männer rufen. Aber jetzt mal ehrlich liebe Männer! Weint ihr auch regelmäßig, um eure Tränendrüsen zu entleeren?

  

Und? Warum haben SIE  Sex?

 

 

Im Oktober werden wir uns im 2. Teil mit der Sexualität in Langzeitbeziehungen beschäftigen.

Warum frisch Verliebte sich täglich auffressen und Paare in längeren Beziehungen bestenfalls sonntags miteinander frühstücken.

 

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