Was wäre wenn...

Hallo Alle!

 

 

Wie einige von euch wissen, bin ich Mutter zweier aufgeweckter Burschen. Ich liebe es, sie in ihrer kindlichen Unbefangenheit zu beobachten. Wie sie nackt durch den Garten flitzen, jedes Käferlein „retten“ müssen und gerade heraus sagen, was sie sich denken.

 

Gerade vor kurzem erst hat mein dreijähriger Sohn mich gefragt, warum die Frau (die wohlgemerkt gerade an uns vorbei ging) denn so dick und fett sei. Ich hab‘  mich fast verschluckt vor Schreck, mir dann aber eingestehen müssen, dass diese Frage durchaus ihre Berechtigung hatte. Wir Erwachsenen denken aber auch einfach zu viel. Meinem Sohn fiel schlichtweg auf, dass sich diese Frau in ihrem Körperumfang von den meisten anderen Frauen in unserem Umfeld deutlich unterschied. Die Bemerkung war frei von Vorurteilen, er zog nicht sofort (wie wir Erwachsenen es zu tun pflegen) einen Rückschluss auf ihren Charakter oder ihre Persönlichkeit. Er beantwortete sich die Frage schließlich achselzuckend selbst indem er mich ansah und meinte: „die mag wahrscheinlich Gummibärli genau so gern wie ich, aber ihre Mama erlaubt ihr so viel zu essen, wie sie mag.“ Ich war hin- und weg von dieser Logik!

 

 

In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Homosexualität. Erst vor kurzem hat sich jemand vor mir „geoutet“ wie es so schön heißt und ja, ich war überrascht. Seitdem ertappe ich mich öfters mal bei dem Gedanken, wie ich reagieren würde, wäre einer meiner Söhne schwul oder vielleicht sogar beide.

 

Als Mutter hat man doch so gewisse Vorstellungen, wie alles werden sollte. Wenn irgendwann aus dem Kinderzimmer ein Jugendzimmer wird, aus dem der Herr Sohn Hand in Hand und mit roten Backen mit seiner sympathischen, netten und intelligenten ersten Freundin schreitet. Und wir dann später, einmal im Monat am Sonntag, alle miteinander zu Mittag essen. Natürlich koche ich auch immer die Lieblingsspeisen meiner Enkel, auf die ich übrigens auch ab- und zu während der Woche aufzupassen gedenke, immer, wenn Mama und Papa arbeiten müssen.

 

Ich gebe zu, wenn einer meiner Söhne mir „plötzlich“ offenbaren würde, dass ich mir das mit meinen Enkeln, auf die ich mich heute schon freue, in die Haare schmieren könnte, das wäre erstmal ein Schock. Ich müsste meine Pläne für die Pension neu überdenken, ja vielleicht würde sogar meine Identität darunter leiden. Sicher wäre ich gezwungen, mich mit mir intensiv auseinander zu setzen. Hinzu käme noch die Auseinandersetzung mit der Reaktion der anderen. Oder zumindest damit, was ich für die Reaktion der anderen Leute hielte. Weil: „normal“ ist DAS ja leider immer noch nicht…

 

Dann werde ich von einem gellenden Schrei aus den Gedanken gerissen. Ich sehe von meinem Notizblock auf und stelle fest: alles halb so wild. Sohn 1 jagt Sohn 2 nur gerade mit eiskaltem Wasser aus dem Gartenschlauch über das Grundstück. Und ich sehe, wie glücklich sie sind, wie sehr sie das Leben genießen. Und das ist es doch, was wir Eltern uns für unsere Kinder wünschen. Sie sollen glücklich sein und das Leben genießen.

 

 

 

 

Ist es nicht schade, dass Menschen, die nicht heterosexuell sind, immer das Gefühl haben, sich outen, das „Problem“ ansprechen zu müssen? Ist es nicht komplett egal, zu wem man sich hingezogen fühlt? Es macht mich immer wieder betroffen, wie sich Nicht-Heteros oft jahrelang quälen aus Angst davor, von den Menschen, die ihnen wichtig sind, abgelehnt zu werden. Abgelehnt und verleugnet nur, weil sie sich ihnen zeigen, wie sie wirklich sind. Da ist gesellschaftlich wirklich noch einiges im Argen!

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Christoph (Sonntag, 19 Juni 2016 22:37)

    Schön geschrieben. War aber nicht auf Facebook, oder? Sonst hätt ich den Beitrag eher gelesen.

  • #2

    Sophie (Montag, 20 Juni 2016 07:04)

    Hallo Christoph!


    Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat! :-)

    Ich habe ihn schon auf FB geteilt, aber bei dieser Informationsflut kann man ja leicht was übersehen.


    LG, Sophie