Von Bienchen und Blümchen

Hallo Alle!

 

Über die Sexualerziehung im Alltag habe ich ja hier schon mal was geschrieben. In diesem Artikel habe ich mich  auf den Sexualerziehungsalltag der jüngeren Kinder konzentriert.

 

Heute stellen eher  Eltern und Begleiter*innen von etwas älteren Kindern und Jugendlichen meine Zielgruppe dar. Das soll natürlich nicht heißen, dass nicht jeder und jede Interessierte diese Zeilen lesen darf.

 

Wir lassen also den Kindergarten hinter uns und machen uns auf in die Welt der „Großen“. Manche von euch werden vielleicht darüber schmunzeln, aber jeder, der Kontakt mit Schulanfängern hat/gehabt hat wird wissen, dass die Kinder das genau so empfinden. Sie grenzen sich klar von den „Babys“ im Kindergarten ab und fühlen sehr groß, ja beinahe erwachsen!

 

Sie haben damit auch nicht ganz unrecht. Im Volksschulalter wird der Körper als Vorbereitung auf die Pubertät von Hormonen überschwemmt, was sowohl in sexualpädagogischer als auch in sozialer Hinsicht nicht unerheblich ist. Nicht umsonst wird von der „Schulreife“ gesprochen.

 

Jedem Kind in diesem Alter ist inzwischen klar, welchem biologischen Geschlecht sein Körper angehört. Ein ganz kleiner Teil ist inter*- oder transsexuell**, aber damit werde ich mich einmal in einem separaten Artikel beschäftigen.

 

Beim Großteil der Kinder zwischen 6-10 Jahren beginnt nun also der Identifikationsprozess mit der jeweiligen Geschlechterrolle, die meist von der Gesellschaft vorgegeben wird. Auch aufgrund der vielen verschiedenen Rollenbilder, mit denen man wohl oder übel medial konfrontiert wird, ist es gar nicht so einfach herauszufinden, wie man sich als Bub/Mann oder Mädchen/Frau zu verhalten hat und sich damit auseinander zu setzen, ob man sich der Rolle entsprechend verhalten möchte, bzw.  wie man damit umgeht, wenn man eben „anders“ ist.

 

Der Körper beginnt sich zu verändern, aber auch das Gehirn wird um- und neustrukturiert, was sich auf das Verhalten und das Bewältigen von Situationen auswirken kann. Infolge der Hormontätigkeit beginnt der Schweiß seinen Geruch zu verändern und spätestens jetzt sollte man seinen Sprößling in die Geheimnisse der Körperpflege einweihen, um sich später, in der Pubertät, peinliche Momente zu ersparen. (Stichwort: waschen unter der Vorhaut).

 

In dieser Zeit interessieren sich Kinder sehr für ihren eigenen Körper und dessen (bevorstehende) Veränderungen. Das Thema „Sex“ ist gleichermaßen abstoßend wie faszinierend, wobei diese Ambivalenz durch das Erzählen „schmutziger“ Witze, den Gebrauch von sexuellen Kraftausdrücken und das oftmals damit einhergehende Gekichere zum Ausdruck gebracht wird.

 

Die bereits geschilderten Entwicklungen schreiten voran und die Kinder werden von  der Schule, dem Internet, den Freunden und auch den Eltern mit Informationen gefüttert. Trotz dem großen vorherrschenden Maß an Information, beschäftigen die Jugendlichen von heute die gleichen Mythen wie noch vor 20 Jahren.

Oder wer von euch kennt nicht die Geschichte vom Scheidenkrampf beim Ersten Mal, der für das junge Paar im Krankenhaus endete?

 

Für diejenigen, an denen der Krampf-Kelch vorüberging, sei die Geschichte kurz erzählt:

 Es war einmal ein junges Pärchen, das sein Erstes Mal miteinander plante. Eines Tages  hatte das Mädchen endlich sturmfrei und die beiden gaben sich einander hin. Plötzlich und völlig unerwartet platzte die Großmutter der Mädchens ins Kinderzimmer und erwischte die beiden in flagranti beim Sex, weswegen das Mädchen vor Schreck in der Sekunde einen Scheidenkrampf erlitt und der junge Bursch in ihr gefangen war. Es war eine Situation höchster Not, da ja, wie jeder weiß, der Penis des Jungen, wenn er zu lange von der krampfenden Scheide festgehalten werden würde, absterben könnte. Die Oma sah keinen anderen Ausweg als die Rettung zu rufen, die das Paar (wohlgemerkt gemeinsam) auf der Trage ins Krankenhaus transportierte, wo ein Arzt dem Mädchen endlich die lang ersehnte „Entspannungsspritze“ verabreichen konnte. 

 

Die Tatsache, dass solche Absurditäten unsere Kinder, oder besser gesagt, unsere Jugendlichen heute immer noch beschäftigen zeigt, dass sie sich (so um das 15. Lebensjahr herum) stark damit auseinandersetzen, was denn wäre, wenn sie Sex hätten. Sex „schleicht“ sich in ihre Lebenswelt ein und gewinnt an Bedeutung. Und zwar im praktischen Sinne.

 

Wie wäre es, Sex zu haben? Mit wem hätte ich gerne Sex? Woher weiß ich, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist? Was mag ich? Was mag ich nicht? Und… kann ich das einfach sagen? Wie lerne ich überhaupt jemanden kennen, um eventuell Sex haben zu können? Was muss ich beachten? Wie würde ich verhüten? Wann muss ich zum ersten Mal zum Frauenarzt? Vorher oder nachher?

 

In dieser Zeit ist es für die Jugendlichen besonders wichtig, dass ihre Privatsphäre akzeptiert und respektiert wird. Die Freunde gewinnen an Bedeutung, die meiste freie Zeit wird mit ihnen verbracht. Neben einem eigenen Musikgeschmack und Kleidungsstil ist auch das ein wichtiger Aspekt der Pubertät und des Erwachsenwerdens und stellt eine gute Möglichkeit zur Abgrenzung gegenüber der Welt der Eltern dar.

 

Die Zeit der bedingungslosen Vergötterung der Erzeuger ist nun vorüber. Die Jugendlichen beginnen, sich aktiv mit verschiedenen Lebenswelten und Weltanschauungen auseinander zu setzen und machen sich auf die Suche nach dem für sie passenden Lebensmodell. Wie Jahre zuvor in der „Trotzphase“ testen sie wieder alle Grenzen und deren besondere bauliche Maßnahmen intensiv aus.

 

Obwohl es vielleicht nicht so scheint, ist es von großer Wichtigkeit, auch in dieser Phase mit seinen Kind, das nun kein Kind mehr ist, in Kontakt zu bleiben. Seinem Spross das Gefühl zu geben, für Fragen aller Art zur Verfügung zu stehen (auch, wenn man vielleicht nicht immer eine Antwort parat hat) ohne aufdringlich zu sein, das ist die Kunst. Aber wie soll das gehen??

 

Wenn man z.B. das Gefühl hat, dass den Sohn/die Tochter etwas beschäftigt, kann man das zurückmelden und Interesse zeigen, bzw. sich als Anlauf- und Informationsstelle anbieten:

„Du, ich merke, dass dich irgendetwas zu beschäftigen scheint. Wenn du was brauchst oder ich dir behilflich sein kann, stehe ich dir jederzeit zur Verfügung.“

 

Hat man das untrügliche Gefühl kein geeigneter Ansprechpartner für sein eigenes Kind zu sein, könnte man einfach Informationsquellen (z.B. Internetseiten) vorschlagen, von denen man weiß, dass sie keine Fehlinformationen liefern oder vielleicht sogar gratis professionelle online-Beratung für Jugendliche anbieten.

 

Nach den ersten sexuellen Erfahrungen nimmt die Selbstsicherheit erwartungsgemäß zu. Schön langsam weiß man, was man mag oder zumindest, was man nicht mag. Es ist eine Reise voller AHA-Erlebnisse, auf der man kostet, probiert und viel Neues und Aufregendes dazu lernt. Prinzipiell ist diese Art der Lebendigkeit kein Privileg der Jugend, aber leider lassen wir uns, sobald wir erwachsen sind (was auch immer das sein soll), zu sehr von den gesellschaftlichen Vorgaben und Normen beeinflussen. Wer weiß, was uns entgeht!?


  * intersexuell: Als Intersexuell werden Menschen bezeichnet, die nach der Geburt nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen

                      Geschlecht zugeordnet werden können.

** transsexuell: Transsexuell sind Menschen, die biologischen eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können, sich diesem aber nicht

                      zugehörig fühlen. Sie haben das Gefühl, im falschen Körper geboren worden zu sein.


Ankündigung:

Weil nach unseren "Sexualerziehung im Alltag" -Vorträgen der Ruf nach noch mehr praktischen Tipps im Umgang mit den Fragen und Anliegen sexueller Natur von Kindern und Jugendlichen laut wurde, gibts am 09.06.2016, um 19.30 Uhr mehr dazu. Im Vortrag "Klär mich auf!", der wieder im Rathaussal in Weitra stattfindet, werden wir die Fragen der Altersgruppen 3-6 Jahre, 6-14 Jahre und 14-18 Jahre näher beleuchten und den Zuhörern Tipps im Umgang damit geben.

 

Wir freuen uns schon darauf!

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Kommentare: 1
  • #1

    Charolette Merino (Montag, 06 Februar 2017 19:46)


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