Sexualerziehung im Alltag

Hallo Alle!

 

Heute teilen wir ein paar Gedanken zum Thema "Aufklärung" mit euch, denn erfahrungsgemäß sehen viele Eltern dieser "Aufgabe" eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie erschauern regelrecht bei dem Gedanken daran, ihre Kinder „aufklären“ zu müssen. Aber was soll das denn überhaupt bedeuten? Die meisten haben dabei diesen einen Moment in der Zukunft im Kopf, an dem sie sich ihren halbwüchsigen Kindern am Küchentisch gegenüber sehen, um ES zu besprechen. Die Kinder mit roten Ohren und angewiderter Miene und die Eltern den Blickkontakt vermeidend, verzweifelt um Worte ringend, mit hochrotem Kopf.

 

Alle, denen dieses Szenario ebenfalls im Kopf herumspukt, kann ich beruhigen. Im Besten Fall wird es dazu niemals kommen. Nicht aber, weil die Kinder unwissend in Ihr Erwachsenenleben entlassen werden sollen, sondern, weil das, was man allgemein unter „Aufklärung“ versteht, von Anfang an, also von der Geburt des Kindes an, einfach nebenbei im Alltag „mitgeht“.

 

Eines Tages kann das Baby gezielt greifen und wird beginnen, seinen Körper zu erforschen. Wenn man ihm die (Nackt-)Zeit beim Wickeln, beim Baden oder im Sommer im Garten gönnt, um den Körper zu be-greifen und neben den Körperteilen wie „Hand“, „Nase“ und „Mund“ auch den Namen von „dem da unten“, also „Penis“ und „Scheide“ verrät, hat man schon viel geschafft!

 

Nach dem Lustprinzip agierende Kinder –und man wird mir beipflichten, wenn ich behaupte, dass kleine Kinder nur das tun, was sie wollen- im Alltag zu begleiten ist immer eine Herausforderung. Besonders aber, wenn sie ihre Sexualität entdecken und feststellen, dass sich rubbeln, reiben und zupfen am Geschlechtsteil anders anfühlt als nasekratzen. Der Griff zur Nase wird in der Öffentlichkeit auch selten ein Problem darstellen. Wird man aber z.B. beim Einkaufen mit den irritierten Blicken der anderen Leute konfrontiert, weil das Kind, die Hand in der Hose mit verträumtem Blick und roten Wangen an sich herumspielt, ist man zwischen Wohlwollen und Peinlichkeit hin- und hergerissen.

 

Und überhaupt! Ist es normal, dass kind sich mit Freunden ständig in eine Höhle oder ein Zelt zurückzieht, um sich anschließend sofort aller Kleidungsstücke zu entledigen? Was sollte man als Alltagsbegleiter von Kindern und Jugendlichen wissen, um  sie auch in diesen Belangen gut fördern zu können? Was kann ich tun, um die Ausbildung eines guten Körperschemas zu unterstützen? Ist die Pubertät wirklich so schrecklich wie alle sagen oder ist sie, ganz im Gegenteil, ein Zeichen für einen wichtigen und positiven Entwicklungsschritt des Kindes?

 

Diese und viele andere Fragen beschäftigen Mütter und Väter und alle anderen Menschen, die mit Kindern & Jugendlichen leben und arbeiten sehr intensiv und können Unbehagen auslösen, wenn man das Gefühl hat, verschiedenen Situationen nicht gewachsen zu sein.

 

Die Eltern von heute sind toll! Sie setzen sich mit der Entwicklung ihrer Kinder auseinander, sind sehr engagiert, achtsam und bemüht und machen sich hunderttausend Gedanken!  Zu jeder Erziehungsfrage gibt es Literatur en masse. Es kann leicht passieren, dass man den Überblick verliert in Anbetracht des großen Angebots. Jeder möchte gut informiert sein und sein Kind bestmöglich unterstützen. Dabei wird leider oft übersehen, dass man sich neben der ganzen Fülle an Information auch auf sein eigenes Bauchgefühl verlassen kann.

 

Wenn man im Hinterkopf behält, dass es wichtig ist, den Kindern und Jugendlichen einen Rahmen zu bieten, innerhalb dessen sie sich austoben können und sich bewusst ist, dass es in der Verantwortung der Erwachsenen liegt, die Rahmenbedingungen klar festzulegen, ist man schon schlauer als viele andere.

 

Es ist toll, wenn ein Kind sich mit seinem Körper (und damit natürlich auch mit seinem Genital) auseinandersetzt und ihn gut kennenlernt. Dadurch stärkt es sein Körperschema und eignet sich Körperkompetenz an. Nackt sein, sich ausprobieren, andere Kinder ansehen und angreifen, sich ansehen und angreifen lassen, Grenzen austesten und eigene Grenzen spüren. Das gehört alles dazu. Im Sinne der sozialen Regeln und zum Schutz der Kinder müssen die Rahmenbedingungen aber passen. Zuhause, im geschützten Rahmen, ist vieles in Ordnung was der Öffentlichkeit nicht üblich oder nicht möglich ist.

 

Mehr Information zum Thema „Sexualerziehung im Alltag“ gibt es im gleichnamigen

 

Vortrag, der am 10.03.2016, um 19.00Uhr im Rathaussaal in Weitra stattfinden wird.

 

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Unkostenbeitrag beträgt €7.-

 

Wir bieten im Rahmen dieses Vortrags auch erstmals die Möglichkeit anonym Fragen zu stellen. Neben dem Ausgang wird unsere Fragenbox aufgestellt, in die man entweder bereits zuhause vorbereitete oder während des Vortrags geschriebene Fragenzettel einwerfen kann. Selbstverständlich freuen wir uns auch über Fragen, die während und nach dem Vortrag direkt an uns gerichtet werden, aber vielleicht gibt es ja das eine oder andere Anliegen, das man in großer Runde nicht besprechen möchte.

Wir werden uns bemühen, sämtliche anonymen Fragen plus Antworten unter dem Link “Fragen aus der Box” innerhalb einer Woche nach dem Vortrag auf unserer Homepage zu veröffentlichen.

 

Wir freuen uns auf einen interessanten, tollen und gemütlichen Abend mit euch!

 

 

                                                           Sophie & Sigrid